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Westweg – Wanderung 2018 Teil 7: Die 4. Etappe: Von Unterstmatt – Alexanderschanze

31 Mai

Da die gestrige Etappe zum Glück etwas kürzer ausgefallen war (20 km) konnte mein Körper auch ein bisschen mehr regenerieren. Das ist auch notwendig gewesen, denn heute steht die längste Etappe unserer Tour an. Frühstück gibt’s im Schwarzwald anscheinend immer nur ab 8.00 Uhr, was oft sehr ungünstig ist, da in den Zielorten die Gasthäuser nur bis maximal 20.30 Uhr was zu Essen anbieten. Ich bin nicht der geübte und erst recht nicht der schnellste Wanderer. Also geschaut, dass wenigstens alles schon zusammengepackt ist, wenn der Frühstücksraum betreten wird und es keine unnötigen Verzögerungen gibt.

Kurz vor 9 Uhr machten wir uns dann auf den Weg. Das erste Zwischenziel für den heutigen Tag war die Hornisgrinde, mit dem höchsten Gipfel (1163m) im Nordschwarzwald. Der Weg dorthin führte über schmale Pfade vorbei am Wanderheim Ochsenstall bis hin zum Hochplateau.

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Wanderheim Ochsenstall

Von Ochsenstall aus waren es nur noch wenige hundert Meter bis zum Gipfel der Hornisgrinde. Der mächtige Fernsehturm vom SWR thront erhaben und ist schon aus der Rheinebene und darüber hinaus zu sehen.
Auch hier oben sind die Grinden zu erkennen. Diese Hochmoorige Heidelandschaft ist durch intensive Beweidung ab dem Mittelalter entstanden. Latschenkiefern, Borstengras und Heidekraut zieren das Hochplateau. Aus Landschaftsschutzgründen werden seit längerem die Grinden gezielt gerodet und durch verstärkte Viehhaltung die Grundlage zur Erhaltung dergleichen geschaffen.

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Auf dem Aussichtsturm auf der Hornisgrinde

Kaum haben wir die Aussichtsplattform für eine Rundumsicht erklommen, grollte es wieder in den Wolken.  Und da die Weitsicht auch nicht optimal war, hieß es vorsichtshalber wieder einmal: Regenjacken an!

Aber zum Glück kamen nur ein paar Tröpfchen runter und trübten somit unsere Stimmung nicht beim Abstieg hinunter zum malerischen Mummelsee. Dieser liegt auch sehr gut erreichbar an der Schwarzwaldhochstrasse und ist an sonnigen Wochenenden und während der Ferien oft total überlaufen.

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Mummelsee mit Hotel

 

Direkt am großen Parkplatz liegen, für die Schwarzwaldtouristen schnell erreichbar, die Souveniershops. Hier kann man allerlei schwarzwaldtypische Sachen und auch sehr viel Kitsch kaufen. Empfehlenswert, wenn auch etwas teurer,  ist das frische Holzofenbrot. Dieses wird im Außenbereich öffentlich wirksam vor den Augen der Touristen mit dem langen Brotschieber in den Feuerraum geschoben und auch wieder herausgenommen.

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Brotbacken im Holzofen

Unsere Wandertour folgte dann der roten Raute weiter Richtung Schliffkopf. Auf den Höhenwegen oberhalb der Schwarzwaldhochstraße konnte man in die Seitentäler, zum Steinbruch am Mummelsee oder zu den gewundenen Serpentinen der Straßen, die in die Täler führen, blicken.
Hier oben waren die schmalen Pfade teilweise nicht begehbar, weil durch Stürme im Frühjahr viele Kiefern abgeknickt sind und den Weg immer wieder versperrten.
Die „Umgehung“ in Form eines frischen Trampelpfades konnte man aber recht gut meistern, wenn auch hier und da sehr große Schritte über liegendes Holz von Nöten war.

Zwischenzeitlich hat es wieder angefangen zu Regnen und die nächste bewirtschaftete Hütte, die Darmstädter Hütte war nicht mehr weit.

 

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Auf 1030 m Höhe – die Darmstädter Hütte

Hier roch es lecker nach heimischen Spezialitäten, aber richtig Hungrig war ich nicht.  So blieb es bei mir bei einem alkoholfreien Radlerweizen.

 

700 m nach der Hütte führte uns der Westweg nach links in den Bannwald. In diesem Urwald, der sich selbst überlassen wird haben so die Pflanzen und Tiere den nötigen Schutz, um sich ungestört zu Entfalten. Vor kurzem soll hier in der Gegend auch ein Wolf gesichtet worden sein.
Der schroffe und steile Weg über breite Sandsteinstufen führt dann wieder aus dem Urwald hinaus zur Waldgrabstätte von Prof. Dr. Julius Eutin direkt am Wildseeblick.

Der dunkle Wildsee liegt still im Tal und eine Bank lädt zum Ausruhen ein.

An der Skipiste Ruhestein ging der Weg über einige Kurven steil ins Tal um an der gegenüberliegenden Bergseite des Vogelskopf wieder steil aufzusteigen.

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Skisprungschanze am Vogelskopf

Vorbei an der Skisprungschanze querten wir dann wieder die Bundesstraße 500 und folgten auf dem parallelen Wanderpfad bis zum Schliffkopf (1055 m) hinauf.

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Auf dem Weg zum Schliffkopfgipfel

Überrascht war ich, dass ich diese längste Etappe nach den bisherigen, teils sehr anstrengenden Tagesetappen bis hierher so gut bewältigen konnte. Jedoch merkte ich immer mehr einen unangenehmen Druckschmerz an der Oberseite meiner kleinen Zehen. Was soll’s, hab ich mir gedacht… nach ca. 100 km in nur 4 Tagen ist das wohl fast als normal anzusehen.

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Kurze Pause auf dem Schliffkopf

Vorbei am 4-Sterne-Wellness-Spa Nationalparkhotel Schliffkopf folgen wir parallel immer noch der B500, vorbei am Quellgebiet der Murg Richtung Zuflucht. Der Lotharpfad, dessen Ausgangspunkt von dieser Wanderroute abgeht, zeigt auf einem 800 Meter langen Lehr- und Erlebnispfades anschaulich, wie die Sturmfläche, die das Orkantief Lothar 1999 eingerissen hatte, zurückgewonnen wird.

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Aussicht in der Nähe des Lotharpfades

Kilometer für Kilometer geht es vorwärts. Die Füße schmerzen immer mehr und es ist ja zum Glück nicht mehr so weit… – Zuflucht erreicht. Von Zuflucht aus sind es noch ca. 3 km bis zum Etappenziel Alexanderschanze. Es sind keine großen Höhen mehr zu überwinden und es zeichnet sich ab, dass der Weg gut und zügig zu gehen ist. Allerdings haben es die letzten 800 Meter buchstäblich in sich.
Eine Schlammpfütze  reiht sich an die nächste…und das fortwährend. Ausweichmöglichkeiten gibt es durch dichte Hecken an den Wegesrändern kaum und so tariert man die besten Stellen aus, wohin man den nächsten Schritt setzt. Baufff…. schon ist es passiert. Eine scheinbar gute Stelle entpuppte sich als „nicht tragfähig“ und der Wanderschuh sinkt bis zum Schnürwerk im Matsch ein. So geht es noch einige Male und nach einer gefühlten Ewigkeit trennt uns nur noch eine Straße vom Parkplatz an der Alexanderschanze.

 

Meine GPS-Uhr zeigt 29 km. Diese hatte sich unterwegs bei der Darmstädter Hütte  in den Pause-Modus geschaltet, was ich beim Abzweig in den Bannwald bemerkt hatte. So kommen nochmal diese 700 m oben drauf.

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Total abgekämpft an der Alexanderschanze

Ich bin geschafft und froh, dass der Hotelier uns hierher abholen kommt. Die 2 km bis zum Hotel in Kniebis wären sonst nur eine Qual geworden.

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Wie so oft: Druck von oben ist nicht immer gut!

 

Aber ein sehr leckeres Abendmenü sollte über die ganzen Strapazen hinwegtrösten und für einen schönen Tages-Ausklang sorgen.

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Verfasst von - 31. Mai 2018 in Wandern

 

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